Lieber sehr geehrter deutscher Besucher

herkenning van de hemel | Hetty van Oordt © 2008

Mai 2009

Lieber sehr geehrter deutscher Besucher,

du befindest dich jetzt auf einer Webseite eines anderen Deutschen. Du bist herzlich willkommen. Leider kannst du was hier steht nicht gut lesen, nur so halb, ein bißchen, es ist ein merkwürdiges Deutsch. Aus Anlaß meiner Auftritte in Berlin darum schnell diese Ecke, diese Ecke speziell für dich.

Ich trete bisher hauptsächlich in den Niederlanden auf, jedoch ist ein Teil meiner Texte auch ins Deutsche übersetzt und ich kann als Dichter/Autor auch in Deutschland auftreten, vom Theaterstück 'Krantenkoorts'('Das Rauschen der Welt') existiert eine deutsche Übersetzung.
Tja, was noch? Habe vor längerer Zeit in den Niederlanden Kabarettpreise gewonnen und vor kürzerer Zeit (2007) das niederländische NK-Poetry-slam. Bin Gründer der ersten niederländischen Vorlesebühne, eines Kollektivs von Autoren die seit Oktober 2008 jeden Monat in Amsterdam und Utrecht mit einem neuen Programm auftritt (siehe auch www.kortevreemdeproza.nl., allerdings wieder ohne deutsche Abteilung).
Es mag dann nicht alles ohne weiteres verständlich sein was du auf dieser Webseite findest, ich beantworte gerne mögliche Fragen, auch auf deutsch (info@bernhardchristiansen.nl).

Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mehr Übersetzungen von Texten und Projektbeschreibungen ins Deutsche, vorläufig als kleine Aufmerksamkeit 2 kurze Prosatexte.

Zusammenhang

Das Haus des Schaffners ist klein. In der Ecke steht ein Eimer. Der eimer ist leer und gelb. Der Schaffner ist dick und blond. Der Eimer hat einen Schnurrbart, der Schaffner nicht. Mit dem Schaffner kannst du kuschelen, mit dem Eimer auch. Der Schaffner ist leer. Er läßt sich jetzt vollaufen. Für den Eimer ist leer-sein okay. Das Haus ist nicht leer. Im Haus befinden sich ein Schaffner und ein Eimer. Und ein Besenstiel. Der jedoch ist tot.

Das Wesen der einfachen Dinge

Das Wesen eines Hundes zum Beispiel, immer freundlich, immer interessiert, immer bereit stehend, dich abzuschlecken. Ein Hund kennt keine Komplikationen. Wenn du ihn klasse findest, findet er dich klasse. Wenn du ihn bescheuert findest, findet er dich klasse. Einen Hund kannst du in verschiedene Richtungen stoßen, er kommt immer zurück. Das im Gegensatz zu einem Bumerang, der kommt manchmal zurück. Ein Bumerang ist dann auch kein einfaches Ding. Ein Hund frißt Futter, das macht er auf eine einfache Art und Weise: Schnauze auf, Nahrung rein, kauen ist nicht nötig, runterschlucken, immer auf die gleiche Art und Weise. Ein Hund ist wie Plankton, nur nicht grün, sondern grau. Oder braun. Oder so.

Und mein Besuch in Berlin war fruchtbar:

Väter

Unsere Väter. Ich war zu Besuch bei unseren Vätern, unseren Vätern in Berlin, den Surfpoeten, den Brauseboys, der Reformbühne Heim und Welt. Unsere Väter. Mütter haben wir nicht, oder besser gesagt beinahe nicht, einer von 10 Vätern ist eine Mutter, ich sprach mit einer von den drei Müttern, sie wollte mir nicht glauben. „Maaike, Sylvia, Caroline, Bertine, Marein, sind das alles Frauen?!“

Zur Zeit des Falls der Mauer sind unsere Väter auferstanden, auferstanden aus Ruinen, so wie die Ostdeutschen schon immer sangen, so wie sie es schon immer taten.

Unsere Väter haben ein Alkoholproblem, 2 von 10 unserer Väter haben kein Alkoholproblem. Ich sprach mit einem der Väter mit einem Alkoholproblem, er wollte mir nicht glauben, dass es bei uns anders ist. „Ihr trinkt euch nicht einen vor dem Auftritt, ihr bleibt nicht selbstverständlich nach dem Auftritt stundenlang hängen, ein Bier nach dem anderen herunterkippend, und zwischendurch dann ein paar Schnäpse? Tsss… Was macht ihr dann eigentlich, außer dem Vorlesen meine ich. Und ist es bei euch dann auch so, dass die Frauen im Publikum immer nur klatschen und lachen, aber dass beinahe niemals eine Frau so begeistert ist, dass sie hinterher mit zu dir möchte, ihr was, ihr seid zur Hälfte Frauen? Und die trinken dann genauso viel oder, nein, ihr trinkt ja nicht, ja, klar, ein Bier ab und zu, aber ab und zu ein Bier, das ist doch nichts.“

Unsere Väter sind nett. Sie sind ungefähr 40, sie haben Schwierigkeiten mit der Nachkommenschaft. Manche haben Kinder, aber es ist nicht mehr so wie früher bei den Bauern und den Handwerkern, die Kinder wollen nicht in ihre Fußstapfen treten, sie haben kein Gefühl für Tradition. „Was, ihr seid die nächste Generation, ihr seid unsere Kinder? Und ihr redet holländisch?“

Am Ende ihres Auftritts singen unsere Väter immer gemeinsam ein lustiges Lied. Wir finden das altmodisch. Unsere Väter wissen nicht so recht, ob sie sich über uns freuen sollen. Unsere Väter sind was das betrifft ganz normale Väter.

August 2010

ist es jetzt und September und Oktober werden deutsche Monate, viel Poetry-slam in Deutschland und das erste Spielen eines Theaterstückes von mir in Potsdam. Es wird immer leichter mich zu verstehen.

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